• Rechtsecke: Energiebereich neu geregelt

Rechtsecke: Energiebereich neu geregelt

15.10.2020

Seit 1. Juli 2020 gilt im Kanton Thurgau das revidierte Energienutzungsgesetz. Was müssen Eigentümer beim Hausbau beziehungsweise beim Heizungsersatz beachten.

Mit dem revidierten Energienutzungsgesetz ist bei Neubauten ein Teil des Stroms selber zu erzeugen. Die Art und Weise der Stromproduktion ist dabei nicht vorgeschrieben. Im Vordergrund wird die Installation einer Photovoltaikanlage stehen. Ist eine Eigenstromproduktion nicht möglich oder gewünscht, sind tiefere Grenzwerte für den Energiebedarf des Gebäudes umzusetzen. Neu kann neben den beiden Standard-Varianten «Minergie» und «Einzelbauteil-/Systemnachweis» auch die Variante «TG-Light» gewählt werden, die sechs Anforderungen definiert.

 

Minergiebonus entfällt

Da Neubauten energetisch Minergiestandard oder vergleichbar aufweisen müssen, ist der hierfür bislang gewährte Minergiezuschlag von zehn Prozent gemäss Paragraph 35 Absatz 1 Ziffer 1 PBV ersatzlos gestrichen worden. Wichtig zu wissen ist, dass diese Streichung nur in denjenigen Gemeinden gilt, welche ihre Ortsplanung bereits revidiert und das Baureglement dem 2013 neu in Kraft getretenen Planungs- und Baugesetz angepasst haben. Das ist im heutigen Zeitpunkt noch nicht bei allen Thurgauer Gemeinden der Fall. 

 

Heizungsersatz: rund drei Viertel nicht betroffen

Bei Liegenschaften mit hohem Energieverbrauch, welche in der GEAKKlasse E, F oder G eingeteilt sind und somit ihre Baubewilligung im Regelfall vor dem 1. Juli 1988 erhalten hatten, muss beim Heizungsersatz entweder der Energieverbrauch gesenkt und eine Standard-Lösung umgesetzt oder ein Teil des Verbrauchs mit erneuerbaren Energien gedeckt werden, wenn wieder eine Öl- oder Gasfeuerung installiert werden soll. Der Anteil erneuerbarer Energien beträgt mindestens zehn Prozent, ab 2025 mindestens 15 Prozent und ab 2030 mindestens 20 Prozent. Positiv ist, dass rund drei Viertel der Wohnbauten von der neuen Gesetzgebung nicht betroffen sind, weil sie eine bessere Gesamtenergieeffizienz aufweisen und somit in den GEAK-Klassen A bis D eingeteilt sind. Hier kann ohne weitere Massnahmen wieder eine fossile Heizung installiert werden, unter der Voraussetzung, dass mittels GEAK die Gesamt-Energieeffizienz A bis D nachgewiesen wird. In jedem Fall lohnt sich aber eine Gesamtrechnung (siehe Box).

 

Der Autor Dr. Thomas Dufner ist Rechtsanwalt, Fachanwalt SAV Bau- und Immobilienrecht und Rechtskonsulent des HEV Thurgau.

 

Langfristig rechnen

Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sollten beim Thema Energieverbrauch in jedem Fall eine Gesamtrechnung machen. Das heisst, sie sollten nicht nur die Investition einer neuen Heizung, sondern auch die Betriebs- und Unterhaltskosten berücksichtigen. Unter diesem Gesamtgesichtspunkt ist eine Wärmepumpe auf die Lebensdauer gerechnet unter Berücksichtigung der Fördergelder meistens günstiger als eine fossile Heizung. td