• Stellungnahme Vernehmlassung kantonaler Richtplan

Stellungnahme Vernehmlassung kantonaler Richtplan

01.01.2017     M.Erne

Vernehmlassung teilrevidierter kantonaler Richtplan (Stand: Mai 2016)

Dezidierte Einwendungen zum Kapitel 4.2 Windenergie

 

Vernehmlassung teilrevidierter kantonaler Richtplan (Stand: Mai 2016)
Dezidierte Einwendungen zum Kapitel 4.2 Windenergie  

Sehr geehrte Damen und Herren

Der HEV Hinterthurgau ist Interessenvertreter der Haus-, Wohn- und Grundeigentümer. Er trägt auch dazu bei, ein gedeihliches Zusammenleben aller im Sinne des Gemeinwohls zu ermöglichen sowie Konflikte zu lösen, zu mildern oder vorausschauend zu vermeiden. 

Wir nehmen Bezug auf die öffentliche Bekanntmachung des Entwurfs teilrevidierter KRP (Stand: Mai 2016) und nehmen Stellung, insbesondere zum Kapitel 4.2, Ver- und Entsorgung; Windenergie. 

Antrag: 

a)  Braunau/Wuppenau, Eschlikon/Littenheid und Bichelsee/Fischingen seien nicht als Windpotenzialgebiet in den kantonalen Richtplan aufzunehmen,

b) evtl. seien die Abstände zum bewohnten Gebiet von 350 m auf 2‘000 m zu erhöhen,

dies aus folgenden Gründen:

 

Wir begrüssen grundsätzlich die Energiegewinnung durch Windkraftanlagen. Dem gegenüber steht jedoch der erhebliche und unverhältnismässig weitreichende Eingriff in die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner sowie in die Natur und das Landschaftsbild. Windkraftanlagen sind industrielle Anlagen. Industrie in Naturgebieten stört in erheblichem Masse im ländlichen Hinterthurgau und vernichtet noch erhaltene Kultur-, Lebens- und Ruheräume für die Einwohner und Einwohnerinnen sowie die Tierwelt. 

Windkraftanlagen erzeugen Lärm, was auf den Internetseiten der Hersteller der Windraftanlagen ersichtlich ist (z.B. Vestas, www.profes.at/download/VestasV112_3-MW.pdf). Windkraftanlagen erzeugen bei Windgeschwindigkeiten von 5m/s über 100 dB(A), was ungefähr einer Kreissäge entspricht. Ein startender A380 darf nicht lauter als 104 dB erzeugen, damit er starten darf.

Belästigung durch Lärm ist die am häufigsten wahrgenommene Form von Umweltbelastung. Folgen dauernder Lärmbelastung sind Störungen des Schlafs, des Lernens und der Leistung. Lärm kann krank machen, zu Stressreaktionen, erhöhtem Risiko für Herzkrankheiten führen sowie die Entwicklung von Kindern verzögern. Er hat soziale und wirtschaftliche Folgen. Lärm soll an der Quelle bekämpft werden oder erst besser gar nicht entstehen.

Betroffene von übermässigem Lärm sind gemäss geltenden Gesetzen unverzüglich zu schützen. Konzentrationsstörungen treten bereits ab 45 dB auf (vgl. Ärzte für Immissionsschutz). Genau diese 45 dB können der Bevölkerung gemäss Lärmschutzverordnung während der ganzen Nacht zugemutet werden. Windkraftanlagen als Industrien laufen auch in der Nacht. Dieser verursachte Lärm mit 100 dB ist viel zu hoch. 

In der Schweiz sind die Abstände von Windkraftanlagen noch viel zu dicht an den Wohngebieten, als dass ein angemessener Schutz vor Lärmimmissionen garantiert wäre. In den Ländern, die Erfahrung mit Windkraftanlagen haben, müssen Abstände von 2‘000 m und mehr (Finnland, Kanada, USA, England, Australien, Frankreich, Österreich) eingehalten werden. Im Thurgau sollen Windkraftanlagen bis zu 350 m an ein Wohnhaus gebaut werden können. 

Ruhe ist ein Qualitätsgut eines Gebietes; über diese Qualität verfügt der Hinterthurgau noch. Dies gilt es zu schützen. Solange in der Schweiz keine klaren Verordnungen bezüglich Abständen erlassen werden, können keine Wohngebiete als potenzielle Windkraftgebiete eingestuft werden. Der Hinterthurgau, seine Dörfer und Kulturlandschaften zeichnen sich durch ihre schöne ruhige Landschaft aus, die mehrheitlich als Naherholungsgebiete geschätzt werden und in den vorgesehenen Zonen keinerlei Industrie aufweisen. Wenn nun in diese Gebiete laute Windkraftindustrie kommt, so muss  wohl analog dem Nachtflugverbot bis zum Morgen ein Nachtbetriebsverbot gelten. Darunter wird die Rentabilität leiden. 

Nicht zu vernachlässigen sind weiter die elektromagnetischen Felder im Umfeld solcher Anlagen. Ebenso irritiert der stroboskopartige, intermittierende  Schattenwurf drehender Propeller massiv. 

Die Errichtung dieser Windkraftanlagen, samt deren extrabreiten Zuwegung, bringt einschneidende Eingriffe in das Landschaftsbild und in die Lebensqualität jedes einzelnen Anwohners mit sich.
 

Dies wirkt sich auch auf den Immobilienmarkt der Region aus. Kaum jemand wird bereit sein, sein Traumhaus neben Grosswindanlagen erwerben zu wollen. Betroffener Wohneigentum wird bei diesen Abstandsvorschriften an Wert verlieren. Eine Entschädigung dieser Vermögensverminderung durch die Betreiberfirmen oder die öffentliche Hand ist nicht geregelt.

 

Der Kanton wirbt für sich u.a. sinngemäss mit dem Slogan „Leben in intakter Landschaft im Thurgau“. Dies zu Recht. Im Hinterthurgau sind die Kulturlandschaft (Kloster Fischingen/Pilgerweg) und das Naherholungsgebiet (Hörnli, Tannzapfenland, Wuppenau) betroffen. Dieses Gebiet hat erheblichen zusätzlichen Fluglärm zu absorbieren. Darum soll der künftige Zielkonflikt mit der Windenergie vorausschauend entschärft werden. Man sollte bereits heute die künftigen Bewilligungsverfahren für solche Anlagen antizipieren. Die Akzeptanz wird bei den jetzt vorgesehenen minimalen Abstandsvorschriften gering sein. Langwierige Verfahren, vermeidbare politische Reibereien und vermeidbarer Unfrieden in der Bevölkerung sind absehbar. Es würde dem Bild einer bürgernahen kantonalen Verwaltung entsprechend, vorausschauend Konflikte zu vermeiden und zu entschärfen. 

Bei der Lösungssuche nach erneuerbaren Energien darf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität nicht geopfert werden. Die Energiewende darf nicht auf Kosten der Menschen und unbesehen der ruhigen und dichtbesiedelten Gebiete erfolgen. Die Grosswindanlagen zerstören unsere prächtige Landschaft, ohne einen signifikanten Wert zu generieren. Der Umstand, dass Windkraft massiv subventioniert werden muss, stützt diese Einschätzung. 

Der HEV Hinterthurgau lehnt aus obengenannten Gründen die Einteilung der Gebiete Braunau/Wuppenau, Eschlikon/Littenheid und Bichelsee/Fischingen als Standorte für Windkraftanlagen entschieden ab, zumindest solange nicht die Abstandsvorschriften massiv vergrössert sind.

 

Der HEV Hinterthurgau trägt ökologische Ideen, den Wunsch nach Erhalt intakter Kultur- und Naturlandschaft und Umweltschutzüberlegungen mit, solange die Interessen unserer Verbandsmitglieder ebenfalls berücksichtigt werden. Dies ist jetzt im Kapitel 4.2 Windenergie nicht der Fall.

 

Der HEV Hinterthurgau offeriert seine Mitwirkung, sollte dieses Thema vertieft untersucht werden.

 

Mit freundlichen Grüssen

HEV Hinterthurgau

Präsidium 

Matthias Erne, Rechtsanwalt